16. November 2018, 18:00 Uhr bis 18. November 2018, 17:00 Uhr

Bildungswerkstatt 3.0 - Utopie als Lebensform in Kassel

Gibt es eine richtigere Praxis im Falschen Ganzen?

Gibt es eine richtigere Praxis im Falschen Ganzen?
Auch in diesem Jahr wollen wir uns wieder drei Tage zusammenhocken und die Köpfe rauchen lassen, einfach nur abhängen und ein gemeinsames, erkenntnisreiches Wochenende
miteinander verbringen.
Wir wollen uns unter dem Motto "Utopie als Lebensform?!?" die Frage stellen, wie wir im hier und jetzt schon Umgangsformen und Praxen pflegen können, die nicht bedingungslos in der kapitalistischen Verwertungslogik aufgehen. 
Um uns dieser Frage zu näher unterteilt sich die Bildungswerkstatt dieses Jahr in drei Blöcke

Freitag näher wir uns der Frage wie ein vernünftiges Verhältnis von Theorie und Praxis zu bestimmen wäre. Theorie ohne Praxis ist leer, Praxis ohne Theorie kopflos.

Am Samstag wollen wir uns konkrete Perspektiven angucken. Zum einen wird es einen Workshop zur "Digitalen-Selbstverteidigung" geben. Zum anderen wollen wir uns mit dem Begriff Solidarität und dem damit verbundenen Verhältnis von Individuum und Kollektiv beschäftigen.

Den Abend verbringen wir gemeinsam in der Mutter bei einer szenischen Lesung zur Novemberrevolution 1918/19 in Kassel.

Den Sonntag lassen wir bei einem gemeinsamen Katerfrühstück ausklingen. Im Anschluss wollen wir ganz konkret gucken, wie wir uns im Alltag unterstützen können. Wer kann bei wem Hausarbeiten abschreiben, wer ist gut darin Fahrräder zu reparieren etc.

Konkreter Ablaufplan

Freitag 

18:00: Workshop: "Kritische Theorie und Praxis"

Die Linke ist gespalten - nicht einmal, nicht zweimal, sondern gerade zerfällt sie (mal wieder) in einen Scherbenhaufen. Ein Dauerbrenner, spätestens nach 1945, ist dabei das Verhältnis von Theorie und Praxis, Erhalt und Transformation, Einrichtung oder Revolution. Ein Theoretiker, der dieses Feld spaltet, wie kein anderer, ist Theodor W. Adorno. Für Antideutsche-Akademiker-Lesekreis-Linke dient er als Rechtfertigungsfigur einer (auf ewig) verstellten Praxis, die Bewegungslinke tut ihn gerne als arroganten Bürger im Elfenbeinturm ab.
Ausgehend von einem Thesenpapier der Genoss*innen aus Jena wollen wir diskutieren, wie das Verhältnis von Theorie und Praxis zu bestimmen ist und was dieses für unsere politische Arbeit bedeutet.

Danach:

Roter Tresen mit kurzem Input zur "Organisationsfrage"

Samstag:


13:00 Workshop Digitale Selbstverteidigung

Gerade für Linke Aktivist*innen wird es immer wichtiger, sich im digitalen Umfeld selbst verteidigen zu können. Im politischen Alltag wird daran häufig nicht gedacht. Deswegen soll es im Krypto-Workshop darum gehen, sich Techniken zur digitalen Selbstverteidigung anzueignen.
Dabei werden wir zunächst in einem ersten kleinen Input-Teil klären, wie Kryptographie als Technik der Selbstverteidigung grundlegende funktioniert, was wir damit machen können und welche Grenzen der Einsatz von kryptographischen Verfahren hat. 
Im zweiten Teil werden wir praktisch auf euren Geräten kleine Tools nutzen, um beispielsweise E-Mails zu verschlüsseln oder uns verschlüsselte Datenspeicher zu erstellen. Dazu solltet ihr am besten einen eigenen Laptop mitbringen. Wir werden mit quasi-plattformunabhängigen OpenSource-Tools arbeiten, sodass wir prinzipiell mit jedem Betriebssystem arbeiten können. Wir werden auf jeden Fall mit dem E-Mail-Client Mozilla Thunderbird und dem Plugin Enigmail arbeiten. Außerdem werden wir das Tool VeraCrypt nutzen, um Festplattenbereiche zu verschlüsseln. 
Den Abschluss des Workshops bietet ein kleiner Ausblick, was ihr neben den erlernten Techniken noch tun könnt, um euch auch abseits von kryptologischen Systemen sicher in der digitalen Welt zu bewegen.

Diese Tools können hier runtergelassen werden:

Thunderbird:
https://www.thunderbird.net

Enigmail:
https://enigmail.net

Veracrypt:
https://www.veracrypt.fr


15:30 Kaffeepause

16:00 Workshop Solidarität

Solidarität welch ein großes und schönes Wort. Schillernd und gleichzeitig sehr unklar. Wir wollen uns auf der Basis von kleineren Textausschnitten aus der neuen ThUg Magazine - Theorie und Ungeduld der Frage nähern wie Solidarität im 21 Jahrhundert aussehen kann. Wie steht es um das Verhältnis von Individuum und Kollektiv? Wie viele Gemeinsamkeiten braucht es um solidarisch sein zu können bzw. zu wollen?

20:00 Szenische Lesung II: Die Novemberrevolution in Nordhessen

Gemeinsam geht es dann zur Mutter zu einer szenischen Lesung im Rahmen der Reihe „Fragend blicken wir zurück, fragend schreiten wir voran.“ 100 Jahre Novemberrevolution in Kassel und Deutschland. Diese gestalten wir zusammen mit der August Spies Gesellschaft.

In einem Potporri aus Berichten der Lokalpresse, Protokollen der Arbeiter- und Soldatenräte und biographischen Eindrücken werden die wider­sprüchlichen Wahrnehmungen der revolutionären Ereignisse in der Provinz unterhaltsam dargeboten. Im Anschluss: Party.

Neben dem zweihundertsten Geburtstag von Karl Marx und fünfzig Jahren 1968 jährt sich in diesem Jahr die Novemberrevolution zum hundertsten Mal. Vieles von dem, was uns lange selbstverständlich schien, kann auf die Ereignisse um den 9. November 1918 zurückgeführt werden: Die Überwindung des wilhelminischen Obrigkeitsstaats zugunsten der parlamentarischen Demokratie, das Wahlrecht für Frauen, die gesetzlich garantierte Begrenzung der täglichen Arbeitszeit auf acht Stunden, der Kampf um gesellschaftliche Teilhaberechte und die legalisierte Mitbestimmung von Betriebsräten in Unternehmen. Den 100. Jahrestag der Novemberrevolution nehmen wir zum Anlass, um an die Masseneuphorie des demokratischen Aufbruchs zu erinnern und verschiedene Perspektiven und Aspekte dieser Zeit, auch lokalhistorisch, zu beleuchten. Darüber hinaus wollen wir uns der Frage nähern, wie die gescheiterte Revolution und die hiermit verbundene Spaltung der Arbeiter*innenklasse mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 in Verbindung zu bringen ist. In der gegenwärtigen Krise der Demokratie befragen wir die Visionär*innen der Vergangenheit nach den Möglichkeiten unserer Zukunft.

Link zur Veranstaltung
https://www.facebook.com/events/430600664014464/

Sonntag

12:00 Katerfrühstück mit World Café

Beim gemeinsamen Auskurieren des Katers vom Vorabend wollen wir in einem World Café neue Kontakte knüpfen, die uns schon jetzt bei der Schaffung einer Gegenwelt helfen können.

15:00 Kapitalismuskritscher Stadtrundgang 1.2

Wir wollen uns in diesem Stadtrundgang Kassel mal mit einem ganz speziellen Blick genauer unter die Lupe nehmen. Wo finden wir das was allgemein als Kapitalismus bzw. kapitalistische Produktionsweise bezeichnet wird. Welche Absurditäten produziert eine Welt in der es nicht um die Bedürfnisse des Einzelnen geht, sondern um den Profit des Kapitals. Um diesen Verrücktheiten in unserem Alltag auf die Schliche zu kommen, wollen wir euch mitnehmen, auf eine Reise durch die Innenstadt von Kassel.

 

Die Veranstaltung findet im Club-Commune in der Weserstraße 17 in Kassel statt und ist kostenlos. Speis und Trank gibt es vor Ort. Damit wir besser planen können meldet euch doch einfach kurz an: tyll [dot] steckelmannatfalken-hessen [dot] de